... Den Akt eines glücklichen Schreckens,
der es ist, auf eine Bühne zu gehen, um dort auf sich
allein gestellt zu improvisieren, nimmt Ute Völker nun
seit vielen Jahren neben ihrer kontinuierlichen Ensemblearbeit
in verschiedenen Formationen immer wieder auf sich...
Als Improvisatorin nimmt sie das Wagnis auf sich, von der
Welt hörbar zu machen, was diese ihr in ihrer individuellen
Wahrnehmung von sich zu erkennen gab.
Was das in Ute Völkers Fall bedeutet, versteht, wer einmal
gesehen hat, wie sie zu spielen beginnt; wer nicht nur sein
akustisches Erscheinen wahrnahm, sondern wer mithörte,
wie sie ihren ersten Ton bildete.
Alles unterliegt in ihrer Kunst der Ökonomie der Luft,
die ihr bis zur Unhandlichkeit sperriges Instrument, das so
gar nicht zur Körpererweiterung zu taugen scheint, zum
Instrument macht...
Wie aus einer unendlichen Weite läßt Ute Völker
den Initialton sich aus der Unhörbarkeit heraus langsam
bilden und sich mit denen, die ihm folgen, zu Klangräumen
und -teppichen entfalten, in der Aufeinanderfolge oder Verschränkung
großer Spannungsbögen.
Verhalten doch präzise, bildet sie aus ihren stark rhythmisch
skandierten Tonlinien Klangstrukturen, denen eine differenzierte
Dynamik kleinster Übergänge ebenso wie abrupter
Abbrüche und Wechsel Volumen verleiht.
Auszug aus: Essay von Dr. Andreas Steffens
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